VERARBEITUNG & VEREDELUNGDie Röstung

 

 

Die Röstung

Mit der Röstung entscheidet sich, welche der rund 800 flüchtigen Aromastoffe, die in der Kaffeebohne schlummern, zum Leben erweckt werden. Von den übrigen chemischen Substanzen, die beim Röstprozess entstehen, einmal ganz abgesehen. Erfahrene Röster kitzeln aus jeder Bohne das Beste heraus, indem sie Temperatur und Dauer des Röstvorgangs genau auf die jeweilige Bohnensorte bzw. Rohkaffee-Qualität und den Geschmack der Zielgruppe abstimmen. Zwei Röstverfahren kommen heute zur Anwendung:

1. Turboröstung
Große Röstereien bedienen sich zumeist der so genannten „Turboröstung". Hierbei wird für drei bis fünf Minuten sehr heiße Luft (400 bis 600 °C) in eine Trommel geblasen, wobei sich die Bohnen selbst auf 200 bis 260 °C erhitzen und einen großen Teil ihrer Feuchtigkeit verlieren, ihre Farbe verändern und sich ausdehnen. Der Röstvorgang in Großröstereien ist weitgehend industrialisiert, läuft maschinell und computergesteuert auf so genannten „Röststraßen". Die Kühlung der Bohnen erfolgt meist mittels Wasser, was zwar kostengünstiger ist, Konsistenz und Aroma der Bohne aber verändern kann.

2. Klassische Röstung
Bei der klassischen Methode wird die Trommel von außen erhitzt und die Bohnen werden unter ständiger Bewegung 6 bis 20 Minuten lang bei steigenden Temperaturen schonend dunkel geröstet. Ein Röstmeister begleitet den Röstvorgang und nimmt persönlich Qualitätskontrollen vor. Dies kostet natürlich Zeit und Geld. Auch müssen die Röster – bedingt durch den längeren Röstvorgang – höhere Gewichtsverluste in Kauf nehmen. Gekühlt wird durch Zuführung von Luft unter ständiger Bewegung der Bohnen. Hierdurch wird das Aroma besonders gut geschont und die Bohne kann langsam abkühlen.

 

Timing und Temperatur – Darauf kommt es an

Werden die Bohnen nicht bei der erforderlichen Temperatur oder nicht lange genug geröstet, treten die enthaltenen Aromaöle nicht an die Oberfläche. Folge: Der Kaffee bekommt einen „breiten" Geschmack. Wird bei zu großer Hitze oder zu lange geröstet, schmeckt der Kaffee dünn und verbrannt.


Die chemischen Prozesse bei der Röstung

Die komplizierte Kette chemischer Prozesse, die beim Rösten zum Entstehen der kaffeetypischen nichtflüchtigen Geschmacksstoffe führen, wird als Maillard-Reaktion bezeichnet. Durch die Hitzeeinwirkung wird die Stärke der Bohnen in Zucker verwandelt, verschiedene Säuren bilden sich, andere werden abgebaut. Eiweiße werden in Peptide zerlegt, die als Öle hervortreten. Zucker und Proteine verbinden sich zu sehr aromatischen Substanzen und zu braunen Pigmenten, denen die gerösteten Bohnen ihre spezifische Farbe verdanken. Feuchtigkeit und Kohlendioxid verdampfen und bei einer stärkeren Röstung entsteht Kohlenstoff.

Dieser komplexe chemische Prozess geht einher mit einer Auflösung der ursprünglichen Zellstruktur und führt zu einer "Sprengung" der Bohne, bei der die Kaffeefurche unter hörbarem Knacken platzt. Durch den Röstprozess nimmt das Gewicht der Kaffeebohne um 12 bis 20 % ab (Einbrandverlust), während das Volumen um rund 50 bis 100 % zunimmt.